2. Mai 2005:
Mit, 2. Februar 2005
Jülicher Zeitung / Lokales / Seite 12
„Die Versöhnung lebt aus der Erinnerung“
Jülicher Gesellschaft veranstaltete Gedenkfeier für die Opfer des Nationalsozialismus. Lehren aus Auschwitz. Schüler der Jahrgangsstufe 11 des Gymnasiums Zitadelle werden für ihre Recherchearbeit geehrt.
Jülich. Bewusst hatte die Jülicher Gesellschaft gegen das Vergessen und für Toleranz den Jahrestag der Befreiung des KZ Auschwitz für ihre Feierstunde gewählt. In diesem historischen Datum, das die ganze Unmenschlichkeit des Nazi-Regimes der gesamten Welt deutlich vor Augen führte, sieht sie auch eine Art Neuanfang und damit geeignet für eine Preisverleihung, mit der sie das Engagement junger Menschen im Sinne ihrer Gemeinschaft ehrt.
Friedhöfe besucht
Die Arbeit des Grundkurses für katholische Religion der Jahrgangsstufe 11 am Gymnasium Zitadelle fand die Gemeinschaft in diesem Jahr besonders lobenswert. Gemeinsam mit ihrem Lehrer Johannes Maaßen hatten sich die Schüler mit dem Leben der ehemaligen jüdischen Gemeinden im Jülicher Land beschäftigt. Sie waren auf ihren Spuren gewandelt, hatten die jüdischen Friedhöfe in Jülich, Linnich und im Titzer Raum besucht, hatten die ehemaligen Standorte der Gebetshäuser aufgespürt und waren im Gebäude der ehemaligen Synagoge in Rödingen gewesen. Ihre Eindrücke haben sie festgehalten und am Jahrestag der Zerstörung der Jülicher Synagoge bei der Gedenkfeier vorgetragen. „Versöhnung lebt aus der Erinnerung. Deshalb sind wir den Spuren jüdischen Lebens nachgegangen, um Konsequenzen für die Gegenwart zu ziehen“, erklärte einer der Schüler bei der Feierstunde in der Schlosskapelle der Zitadelle.
Zuvor hatte Schulleiter Peter Joachim Reichard die Gäste begrüßt. „Fehler sind dazu da, aus ihnen zu lernen“ erklärte er. Auschwitz bezeichnete er als einen der fürchterlichsten Fehler der Menschheit. Doch zweifelte er auch an, dass sie wirklich aus diesem Fehler gelernt habe. Ereignisse der Gegenwart begründeten seine Zweifel. „Ich träume davon, dass es eine Zeit geben muss, in der Parteien und Politiker nicht um Macht oder Machterhalt kämpfen, sondern dafür, eine unverzichtbare Dienstleistung erbringen zu dürfen“, erklärte er.
Auch die Vorsitzende der Jülicher Gesellschaft, Gabriele Spelthahn, stimmte zu, dass das Ziel noch lange nicht erreicht sei. Sie erinnerte an die jüngsten Vorfälle im sächsischen Landtag, wo NPD-Abgeordnete den Saal während einer Schweigeminute für die Opfer des Nationalsozialismus demonstrativ verließen. „Ausländerfeindlichkeit und Antisemitismus sind in unserem Land noch nicht verschwunden, Auschwitz und Dresden sind nicht fern, sondern auch hier bei uns gegenwärtig“, warnte sie.
Ausländerfeindlichkeit war deshalb auch ein Thema des Referats, zu dem man die Gründerin des deutsch-türkischen Freundschaftskreises aus Hochneukirchen, Serin Alma-Bicer, eingeladen hatte. Handlungsbedarf hatte sie in ihrem Heimatort gesehen und nach dem 11. September 2001 den Freundschaftskreis ins Leben gerufen. Sie berichtete von ihrer Arbeit und ihren Erfahrungen.
Gemeinsam mit ihrem Stellvertreter Dirk Eickenhorst und Geschäftsführer Michael Lingnau überreichte Gabriele Spelthahn anschließend den Schülern und Schülerinnen ihre Urkunde und einen kleinen Zuschuss zur Klassenkasse. Mit einem Film über die Synagoge in Rödingen endete die Feierstunde, die vom Erwachsenenchor des Gymnasiums unter der Leitung von Hermann Josef Kaiser gestaltete wurde. (Kr.)















