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20. November 2006 (2):

Preisträger bieten Egoismus und Einsamkeit die Stirn

Mit „Jülicher Klippe“ ehrt die SPD „stille Helden“

Jülich. Eine Preisverleihung ungewöhnlich familiärer Art ging in der Schlosskapelle über die Bühne. Der Kinderchor der Schweizer Siedlung eröffnete die dreifache Verleihung des Ehrenpreises für soziales Engagement – der „Jülicher Klippe“ – durch den SPD-Ortsverein. Vorsitzender Ansgar Kieven spannte den Bogen „von historischen Notzeiten in unserer Stadt (in denen die Original-Klippe als Münzersatz diente) bis zu den Menschen heute, die einfach hingehen und etwas tun für Gemeinwohl, Zusammenhalt und Solidarität in Zeiten von Egoismus und Vereinsamung“.

Erste Preisträgerin war Petra Gase, von ihrer Laudatorin Friederike Doose als „Königin der Schweizer Siedlung“ bezeichnet. Ihr jahrelanges „kämpferisches, couragiertes Engagement für eine ganze Siedlung“, deren Bewohner mit einem „Stigma“ behaftet waren, ermöglichte es, „ganz Jülich einzuladen“, hieß es weiter. „Du hast ein extra großes Herz und sprichst eine ganz besonders deutliche Sprache“. Diese Worte trieben der Geehrten die Tränen in die Augen.

„Nicht alle Menschen haben ihr täglich Brot und doch gibt es Lebensmittel im Überfluss“, begann Doris Vogel die zweite Lobrede auf „Klippen-Träger“ Hubert Jansen. Dieser, mit 16 Geschwistern aufgewachsen, „steuert jeden Morgen gegen 6 Uhr den Real-Markt an und sammelt Lebensmittel, die nicht schlecht sind, aber nicht mehr verkauft werden können“ für die Bedürftigen, so die Leiterin des Sozialamtes. Damit nicht genug, beteiligte sich der Preisträger auch an der Armenküche im Bonhoeffer-Haus, wo wöchentlich für 60 Personen gekocht wird.

Augen voll Dankbarkeit

„Er bringt immer etwas mit, und wenn es Einmachgläser seiner Frau sind“, steht den Bedürftigen die „Dankbarkeit in den Augen“, was „Hubert Jansen wiederum Lohn genug ist.“ Seine erste Reaktion auf die Preisverleihung war: „Dat find' ich jut“. Selbstverständlich will er auch bei der „Jülicher Tafel“ mitarbeiten.

Für den dritten Preisträger, der Verein „Tiere als therapeutische Begleiter“, fanden sich gleich zwei Laudatoren ein. „Es gibt viele Kinder und Jugendliche, die ernsthafte Schwierigkeiten haben, persönliche Bindungen einzugehen. Hier können Tiere eine Kontaktbrücke sein“, erklärte Irene Hill-Launer Sinn und Zweck des Vereins, dessen Gründerinnen Dr. Josi Heckhausen-Reinartz und Oberstudienrätin Silke Mollner-Suhr mit der „Jülicher Klippe“ ausgezeichnet wurden – letztere in Abwesenheit.

„Die Tiere haben uns Ruhe gegeben“, gab Dirk Eickenhorst in der zweiten Laudatio die Erfahrung eines der vielen „quengeligen Schüler in einer Null-Bock-Unterrichtssituation“ an einem Projekttag wieder. Besagte Projekttage werden von den beiden Preisträgerinnen seit fünf Jahren als „sonderpädagogisches Förderkonzept“ in (integrativen) Kinder- und Jugendeinrichtungen erfolgreich durchgeführt.

Beschwingt bis feierlich gestaltete das Bläserquartett der Musikschule Jülich den Rahmen für die Preisverleihung. Die vielen anwesenden Kinder der Schweizer Siedlung sorgten wiederum für eine angenehme Auflockerung des Festaktes. „Ein bisschen Liebe, ein bisschen Wärme“ hieß der Schlager, den sie wiederholt mit ansprechender Gestik zu Gehör brachten. „Einer für alle, alle für einen“, schrieen sie zudem das Motto der Schweizer Siedlung heraus. (ptj)

  © Dirk Eickenhorst 2001 - 2012