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20. November 2006:

Bündnisse gegen rechte Ideologie

Michael Klarmann berichtet im KuBa über Neonazi-Aktivitäten bis hinein ins Jülicher Land. NPD-Infostand Anlass für Initiative der SPD.

Jülich. Die Gefahr von rechts ist auch in ländlichen Regionen nicht zu unterschätzen. Darauf verwies auf Einladung der Jülicher SPD der Journalist Michael Klarmann beim Vortrag im Kulturbahnhof. Anlass war ein NPD-Infostandes in der Jülicher Innenstadt Anfang September.

Anhand seiner Recherchen dokumentierte Klarmann die Zusammenarbeit verschiedener rechtsextrem ausgerichteter Gruppierungen, die allerdings hauptsächlich die Region Aachen betreffen. Es handelt sich unter anderem um die „Kameradschaft Aachener Land“ und die Nationaldemokratische Partei Deutschlands (NPD).

„Vorfälle“ aufgelistet

Der Raum Düren-Jülich sei jedoch nicht frei von entsprechenden Vorfällen, verwies Klarmann auf die jüngsten Aktivitäten der NPD in Düren, wo in letzter Zeit gehäuft Rechtsrockkonzerte veranstaltet würden. Im Vorlauf einer solchen Veranstaltung warb die rechtsgerichtete Partei auch in Jülich mit besagtem Infostand.

Die Organisation von harmlos klingenden Neonazi-Events wie „Erntedankfest“ und „Balladenabend“ obliege dem Vorsitzenden der NPD-Ortsgruppe Düren, dem in der Gemeinde Inden wohnenden Ingo Haller. Klarmann spekulierte auch darüber, dass die Gründung eines NPD-Kreisverbandes Düren kurz bevorstehe.

Für eine aktive rechtsextreme Szene in Jülich und Umgebung liegen dem Autor indes „keine konkreten Anhaltspunkte“ vor. Er verwies aber auf einige erschreckende Vorkommnisse aus den vergangenen Jahren, wie den brutalen Überfall eines Jugendlichen auf den Gleisen am Bahnhof (Juli 2003), die Schändung des jüdischen Friedhofs (Oktober 2004) und die Störung der Gedenkfeier an der alten Synagoge (November 2004) sowie mehrfach aufgetauchte Nazi-Schmierereien an Hauswänden. Klarmann lehnte es ab, die Vorfälle in Jülich als Bagatellen abzutun: „Ich persönlich finde die Schändung des jüdischen Friedhofs schon eine ziemlich heftige Sache.“ Zudem erklärte er, von einem Aldenhovener im Jahr 2004 bei einem „Heldengedenken“ in Erkelenz körperlich angegriffen worden zu sein. Rechte Gewalt sei also sehr wohl im Jülicher Land ein Thema.

Dirk Eickenhorst von der SPD Jülich berichtete, dass ihm jede Woche in einem örtlichen Supermarkt ein junger Mann mit verräterischer Kleidung und Emblemen begegne. Auch sei „immer mal wieder die Rede von der Gründung einer Kameradschaft Jülicher Land“, fügte Klarmann an.

Die rund 40 anwesenden Zuhörer zeigten sich erschüttert von den teils drastischen Schilderungen und Fotoeinblendungen. Als vernünftige Antwort auf die rechte Bedrohung empfahl ihnen der Journalist „breite Bündnisse“, die sich partei- und interessenübergreifend zusammenschließen sollten, um gemeinsam ihre Ablehnung rechter Ideologie zu demonstrieren. (dol)

  © Dirk Eickenhorst 2001 - 2012