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3. Februar 2006:

Augen und Ohren müssen offen gehalten werden

Augen und Ohren müssen weiter offen gehalten werden

„Tag der Shoah“: Gesellschaft gegen das Vergessen und für die Toleranz ehrt couragiertes Auftreten wider die Fremdenfeindlichkeit

Jülich. Am 60. Jahrestag der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz durch die Rote Armee machte die Jülicher Gesellschaft gegen das Vergessen und für die Toleranz besonders die Gefahren deutlich, die von nationalistischen fremdenfeindlichen Extremisten ausgehen. Erfreulich groß war die Beteiligung der Jülicher Bevölkerung an der Veranstaltung – von der UNO offiziell zum „Tag der Shoah“ erklärt – im Kindergarten St. Franz Sales.

In einem ausführlichen Vortrag widmete sich Dirk Eickenhorst den Fragen: „Gibt es in Jülich eine Gefahr von rechts? Wenn ja, worin liegt sie?“ Seit den Europawahlen ist auch in Jülich unter anderem ein deutlicher Stimmenzuwachs rechtslastiger Parteien zu vermerken. Dem interessierten Bürger bietet sich die Gelegenheit, den 86 Seiten umfassenden detaillierten Text im Internet nachzulesen (siehe Hinweis „Weitere Informationen“).

Nicht nur Gewaltdelikte, sondern auch so genannte Propaganda-Delikte nehmen zu (wir berichteten). Eine große Gefahr bestünde darin, dass wir die Geschehnisse zu spät wahrnehmen (können oder wollen) oder über ein zu geringes Insider-Wissen über die gruppenspezifische Arbeitsweise rechtslastiger Organisationen verfügen. Hier erläuterte der stellvertretende Vorsitzende typische Symbole, Zahlencodes, Markenartikel und Musikgruppen, die ein Hinweis auf beginnenden oder fortgeschrittenen Rechtsextremismus sein könnten. In regionalem Bezug nannte er die NPD und die „Kameradschaft Aachener Land“ (KAL, früher KSA) als größte „Gefahr von rechts“ und schloss seinen Vortrag mit der Bitte: „Augen und Ohren offen zu halten“, nach dem Leitsatz „Wehret den Anfängen“! Und noch etwas: „Melden Sie jede Nazischmiererei!“, betonte Eickenhorst die Tatsache, dass jeder Verbleib einer solchen einer Tolerierung gleichkäme. Menschen, die sich für Toleranz und Zivilcourage einsetzen und den „Blick nach vorne“ ermöglichen, werden in der vierjährigen Tradition der Jülicher Veranstaltung zum Jahrestag geehrt. Preisträger dieses Jahres sind erstmalig auch Personen, die in besonders engagierter Form dazu beitragen, der Fremdenfeindlichkeit entgegenzuwirken: Zum einen die Arbeitsgemeinschaft „Kopernikusstraße“ für ihre Aktion „Miteinander Füreinander“, die in den beiden Straßenfesten rund um die Kopernikusstraße für Menschen aus 16 Nationen ihren Ausdruck fand.

Weiterhin ausgezeichnet wurden Schüler der Klasse 10a des Gymnasiums Haus Overbach, die mit ihrem Religionslehrer Detlef Ernstes in besonderer Weise bezüglich der Gedenknacht am 7. November 2005 Akzente gesetzt haben. Im letzten Teil der Vortragsveranstaltung lasen die beiden stv. Vorsitzenden Eickenhorst und Anne Gatzen einen u Briefwechsel aus dem ergreifenden Buch „Adressat unbekannt“ von Kressmann Taylor. Inhalt ist die Freundschaft eines in Amerika wohnhaften Juden und eines ehemals liberal eingestellten Nichtjuden, der mit seiner Familie aus der gemeinsam in Amerika gegründeten Firma in sein Heimatland Deutschland zurückkehrt. Hier entwickelt er sich unter dem Deckmantel des Patriotismus langsam zu einem Judenhasser. Nicht nur die Freundschaft der beiden bleibt auf der Strecke . . .

Eine Sentenz aus dem Pfarrbrief der Gemeinde St. Franz Sales gab die Vorsitzende Gabriele Spelthahn den Besuchern des „Denk-Tages“ in Jülich mit auf den Weg: „Das Wort verhallt, wenn es nicht die Tat zum Schwingen bringt“. (ptj) (Siehe Julia)

Weitere Informationen:

www.juelicher-gesellschaft.de

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