29. Januar 2008
Ein Artikel der Jülicher Zeitung, erschienen am 29.01. 2008
Jülich. Die Kultur als Mittel, mehr voneinander zu lernen, pries NRW-Integrationsminister Armin Laschet in seiner Rede zur dritten Verleihung des Preises für Zivilcourage im Jülicher Rathaus.
Damit lobte er zugleich die von der Jülicher Gesellschaft gegen das Vergessen und für die Toleranz ausgezeichnete Marijke Barkhoff-Freeling. Die Vorsitzende des Vereins «Kultur ohne Grenzen» wurde auf Grund ihres besonderes Engagement für Künstler im Exil ausgezeichnet.
Treffend gewählt hat die Jülicher Gesellschaft, die ihre Preisverleihung in die Gedenkfeier zum 63. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz einbettete. Das Jahr 2008 hat die Europäische Union nämlich zum Jahr des interkulturellen Dialogs ausgerufen.
Gemeinsamkeiten in der Kultur zu finden, eine die Menschen, führte Armin Laschet aus, dessen NRW-Ministerium neben Generationen, Familie und Frauen auch die Integration beinhaltet, und er ergänzte: «Eine lebenswerte Gesellschaft ist die, in die man seine eigene Kultur einbringen kann.»
Diese Möglichkeiten schafft Marijke Barkhoff-Freeling, wie Prof. Angelika Merschenz-Quack in ihrer Laudatio hervorhob. Künstler, deren sich Barkhoff-Freeling annimmt, haben nicht nur ihre Heimat durch Vertreibung verloren, sie haben auch ihr Ansehen eingebüßt. Eng damit verknüpft ist das Selbstwertgefühl, das in Mitleidenschaft gezogen wird.
Verdienst der Kultur-ohne-Grenzen-Initiatorin sei es, den Menschen neuen Mut zum «Ich» zu geben. Durch die Möglichkeit, sich wieder in der Öffentlichkeit zu präsentieren und Anerkennung zu finden, würden diese Künstler Menschen «mit einer neuen Heimat in unserer Heimat». Einer von ihnen ist der Iraki Raed Koshaba Shamson, der in der arabischen Welt eine Berühmtheit ist im Spiel auf der Ud, einer Laute. Sie zupfte Shamson als musikalischen Beitrag zum Festakt im Ratssaal.
Bescheiden dankte die Preisträgerin den Lobrednern, indem sie verdeutlichte: «Ich bringe nur die Praxis in den interkulturellen Dialog.» Diese manifestiert sich in den regelmäßigen Veranstaltungen von Konzerten, Ausstellungen und literarischen Angeboten des Vereins.
Die Teilnehmer der Feierstunde ermunterte Marijke Barkhoff-Freeling, diese Angebote auch selber wahrzunehmen. Abschließend zitierte sie aus dem Buch «Jazzmusiker und ihre drei Wünsche» von Pannonica de Koenigswarter, in dem unter anderem folgender Satz geschrieben ist: «Wir alle gehören der menschlichen Rasse an und wir lernen und spielen die gleichen Noten.»
Dem Gedenken nicht nur eine Gegenwart sondern auch eine Zukunft zu geben, wie es Dr. Walter Liedgens von der Jülicher Gesellschaft ausdrückte, gelang dem Verein durch die Auszeichnung der Konfirmandengruppe der evangelischen Gemeinde Jülich. Die jungen Leute hatten mit Dirk Eickenhorst Beiträge zur Gedenkfeier am 9. November 2007 vorbereitet. Den Jugendlichen wurde die Aufgabe mitgegeben, das Gesehene und Gehörte weiter zu erzählen, damit die Geschichte nicht vergessen werde.















